Berlin (ots) - Die Tageszeitung muss und wird sich verändern, wenn
sie weiterhin alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen ansprechen
will. Das erklärte der Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher
Zeitungsverleger (BDZV), Hans Georg Schnücker, heute bei der
Konferenz "Kinder - Jugend - Zeitung" in Berlin. Die Zeitung werde in
Zukunft anders funktionieren als bisher, prognostizierte Schnücker,
zugleich Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Rhein
Main (Mainz). Experimente seien daher nicht nur erlaubt, sondern
notwendig, um künftig ein Publikum zu erreichen, das als "digital
natives" nicht nur mit dem Internet, sondern im Internet aufwachse.
Zugleich gelte es, sich auf die Kernkompetenzen der Zeitung zu
besinnen und Auswahl, Analyse und Aufbereitung von Nachrichten noch
besser auszuspielen. "Je höher die Informationsflut, desto mehr wird
die Web-2.0-Generation nach glaubwürdiger Gewichtung, Erklärung und
Kommentierung suchen", betonte Schnücker.
Der Marktforscher und Tiefenpsychologe Stephan Grünewald
(rheingold Institut, Köln) sah in seinem Vortrag "Deutschlands Jugend
auf der Couch" die Teenager im Zwiespalt zwischen elterlichem
Versorgungsparadies und Zukunftsängsten. Die Lebenssituation der
Jugendlichen schwanke von: "Du kannst alles machen/haben/werden" zu
"Du bist allein/ kriegst nicht mal einen Job/ die Welt ist nicht zu
retten". Zeitungen könnten hier eine wichtige Kommunikationsaufgabe
übernehmen, so Grünewald. In seinen "Neun Leitlinien der
Jugendkommunikation" empfahl der Psychologe unter anderem: Klartext
reden, zuhören und Kontroversen eröffnen, eigene (erwachsene)
Positionen beziehen und den Jugendlichen durch konkrete Aufträge und
realistische Perspektiven zeigen, dass sie gebraucht werden.
Wie eine solche Kommunikation erfolgreich funktioniert, erläuterte
Grzegorz Piechota, Redakteur für besondere Aufgaben bei der "Gazeta
Wyborcza", vor den rund 100 internationalen Gästen der Konferenz von
BDZV und ZV Zeitungs-Verlag Service GmbH. Dank kontinuierlicher
Einbeziehung der Leser und Onlinenutzer ist es der polnischen
Tageszeitung gelungen, eine extrem junge Leserschaft für sich zu
gewinnen: 60 Prozent der Leser von "Gazeta Wyborcza" sind jünger als
40 Jahre, und immer noch 40 Prozent sind jünger als 30. Dass die
Ansprache von Kindern und Jugendlichen mit einer eigenen Tageszeitung
nicht nur redaktionell, sondern auch ökonomisch erfolgreich sein
kann, zeigte Francois Dufour, Mitgründer des Pariser Unternehmens
Play Bac Presse und Chefredakteur der dort publizierten
Kinder-/Jugendzeitungen.
Originaltext: BDZV - Bundesverb. Dt. Zeitungsverleger
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03.03.10 - BDZV - Bundesverb. Dt. Zeitungsverleger
Mut zum Experiment! / Konferenz in Berlin: Die Zeitung muss sich ändern, um zu bleiben, was sie immer war
Quelle: presseportal.de / news aktuell GmbH
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