Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote deutscher Unternehmen ist oft zu hoch

Die Fremdkapitalquoten deutscher Unternehmen sind meistens zu wenig eigenfinanziert. Die Fremdkapitalquote liegt weit über dem Durchschnitt.

 

Viele deutsche Unternehmen klagen darüber, dass sie kaum Finanzierungsmöglichkeiten haben. Die Kreditinstitute sträuben sich oft, Firmen Kredite zu gewähren. Dies liegt zumeist an der mangelnden Kreditwürdigkeit dieser Unternehmen. Ein Merkmal für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens ist die Form der Finanzierung. Die Bank schaut sich also die Jahresabschlüsse der letzten Jahre an und errechnet daraus Bilanzkennzahlen wie Eigen- und Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad. Bei größeren Unternehmen wird ein so genanntes Rating durchgeführt, mit dem die Kreditwürdigkeit dieses Unternehmens festgestellt wird. Als Faustregel kann man sagen: Eine höhere Fremdkapitalquote bedeutet eine größere Insolvenzgefahr, da das Unternehmen nicht so solide finanziert ist. Somit dürfte bei einer ohnehin schon recht hohen Fremdfinanzierung das Erhalten weiterer Kredite schwierig sein.

Es gibt selbstverständlich auch die Möglichkeit, das Eigenkapital eines Unternehmens zu erhöhen. Dies funktioniert zum Beispiel durch die Emission neuer Aktien, was allerdings mittelständischen Unternehmen meist nicht möglich ist. Sie sind deshalb daran gebunden, ihren Kapitalbedarf durch Kredite zu decken. Eine andere Möglichkeit, an Fremdkapital zu gelangen, ist das Begeben von Anleihen oder Industrieobligationen. Kleine Unternehmen haben allerdings auch dazu kaum die Möglichkeit, weil die Kosten dafür auch nicht gerade gering sind. Diesen Firmen bleibt wirklich nur der Gang zur Hausbank. Im heutigen Wirtschaftsleben, wo der Kapitalbedarf wegen des immer härter werdenden internationalen Wettbewerbs immer größer wird, brauchen die Unternehmen Investitionsmöglichkeiten. Diese bekommen sie allerdings nur mit zusätzlichen finanziellen Mitteln, welche sie oft nicht erhalten, weil die Fremdkapitalquote zu hoch ist.

Dieser Teufelskreis schadet der deutschen Wirtschaft nachhaltig. Neue Finanzierungsrichtlinien der Europäischen Union, wie zum Beispiel Basel II machen es den deutschen Kreditinstituten auch schwer, überhaupt noch Kredite zu vergeben. Sie müssen jetzt jeden Kredit mit mehr Eigenkapital unterlegen als vorher und deshalb auch genauer darauf achten, wie es um die Kreditwürdigkeit ihrer Geschäftskunden bestellt ist.

Auch wenn sich die Eigenkapitalquoten der deutschen Unternehmen in den letzten Jahren leicht erhöht haben, ist dies für gute Finanzierungsbedingungen leider immer noch nicht ausreichend. Abhilfe schafft der Bund mit einigen KfW-Mittelstandsprogrammen, in denen kleinen und mittelständischen Unternehmen Kredite zu günstigen Konditionen angeboten werden. Eine hohe Fremdkapitalquote ist also nachhaltig contraproduktiv für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Bleibt nur zu hoffen, dass die Eigenkapitaldecke der deutschen Wirtschaft mit der Zeit wieder dicker wird.