Gräber richtig bewässern

Den Toten zuliebe weniger auf dem Friedhof gießen

18.12.12

Beim Bewässern von Friedhofsgräbern meinen es viele Hinterbliebene zu gut. Doch das viele Gießen ist schlecht für die Leichen sowie für das Grundwasser.

 
Zu häufiges Bewässern von Gräbern verursacht Probleme © panthermedia.net/Liane MatrischZu häufiges Bewässern von Gräbern verursacht Probleme

Der Verlust eines Menschen zu verkraften, ist gar nicht immer so leicht. In Anbetracht dieser Tatsache ist es nicht sehr überraschend, dass es viele Menschen gibt, die regelmäßig Friedhöfe aufsuchen. Am Grabe selbst werden sie häufig aktiv: Die Hinterbliebenen beginnen damit, sich um die Pflege des Grabes zu kümmern. Für einige Personen ist es sogar eine Sache der Selbstverständlichkeit, Gräber regelmäßig aufzusuchen und unter anderem die Pflanzen zu gießen.

Prinzipiell ist hiergegen nichts einzuwenden, die meisten Gemeinden sind sehr froh darüber, wenn die Hinterbliebenen regelmäßig auf die Friedhöfe kommen und sich dort um die Gräber kümmern. Die Grabpflege ist ein ungemein wichtiges Thema, teilweise müssen sogar Regelungen gefunden werden, damit Grabstellen zugänglich bzw. am Ende für eine Bestattung erhältlich werden.

Zu viel Gießen ist nicht gut

Ein wesentlicher Bestandteil der Grabpflege ist das Wässern der Grabbepflanzung. Die meisten Personen meinen es gut, und leeren zwei große Wasserkannen, die rund typischerweise zehn Liter Wasser fassen, über die Gräber. Allerdings ist ihnen nicht bewusst, dass dies zu viel Wasser ist und daher zu Schwierigkeiten führen kann.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat mehrere Hochschulen damit beauftragt, die Auswirkungen des regelmäßigen Gießens zu untersuchen. Hierbei wurden beunruhigende Ergebnisse festgestellt. Wie aus den Ergebnissen der Untersuchung hervorgeht, wird auf deutschen Friedhöfen zu viel gegossen. Dies ist weder für die Leichen noch für das Grundwasser gut. Es wird daher zu einem achtsameren Umgang mit dem Wasser geraten.

Gefährdung des Grundwassers

Die typischen 20 Liter Wasser, die auf Friedhofsgräbern landen, sind zu viel. Viele Böden sind aufgrund dieser Wassermenge ganze drei Tage lang vollständig durchnässt. Der Boden fasst dadurch zu wenig Sauerstoff, wodurch es zu einem biologischen Ungleichgewicht kommt. Auch die Verwesung der Leichen wird dadurch stark beeinträchtigt. Aufgrund zu intensiven Gießens kommt es immer sehr häufig vor, dass Leichen nach 30 Jahren immer noch schwach verwest sind und den Friedhofsmitarbeitern beim Räumen der Gräber eine Menge abverlangen. Experten sprechen auch von so genannten Wachsleichen. Wissenschaftler raten dazu, Gräber nur leicht aufzuschütten und wenig zu Gießen, damit der Verwesungsprozess stattfinden kann.

Aufgrund der zumindest teilweise stattfindenden Verwesung werden zahlreiche Bakterien, Schwermetalle und gegebenenfalls auch Gifte mit dem Wasser abtransportiert. Bei häufigem Gießen gelangt dieses Wasser zu schnell in das Grundwasser, wo es Verunreinigungen vornimmt. Auch aus diesem Grund wird von einem zu häufigen Gießen der Gräber abgeraten. Durch Wahl einer geeigneten Bepflanzung lässt sich der Umfang der Bewässerung gezielt verringern.

   

Weitere Nachrichten